Am ersten Morgen in Hamburg wollte ich die Stadt nicht zu Fuß erkunden, sondern ein Fahrrad mieten.
An der kleinen Leihstation am Hafen hat die Besitzerin, Frau Nguyen, genickt und gesagt: "Kriegen wir hin, einmal Tagespauschale?"
Hab schnell gemerkt, dass sie fair ist, weil sie mir erst die Bremsen gezeigt und dann den Sattel so eingestellt hat, dass meine Beine fast durchgestreckt waren.
Habe die Kaution bar bezahlt, den Vertrag in den Rucksack gesteckt und einen Schlüssel fürs Schloss sowie eine kleine Karte bekommen.
Obwohl feiner Nieselregen in der Luft lag, bin ich losgefahren, denn die Speicherstadt riecht auch bei Grau nach Kaffee und Holz.
Nach zehn Minuten ist plötzlich die Kette abgesprungen, gerade als ein Ausflugsdampfer gehupt hat.
Habe leise geflucht, im Laden angerufen, und Frau Nguyen hat ruhig erklärt, wie ich die Kette mit einem Taschentuch wieder auflegen kann.
Hat geklappt, und als Dank für ihre Geduld habe ich mir später noch ein Fischbrötchen bei dem Kiosk geholt, den sie empfohlen hat.
Am Nachmittag, als die Sonne endlich durchkam, rollte es sich fast wie von selbst, und ich habe gemerkt, warum so viele hier lieber radeln als im Stau stehen.
Gegen Abend habe ich das Rad unversehrt zurückgegeben, sie hat mir die Kaution ausgezahlt und gemeint: "War doch halb so wild, oder?"
Ich habe gegrinst und gleich fürs Wochenende wieder gebucht, damit ich auch noch nach Altona und an die Elbe komme.