German Stories

Finding the Center

Upper Intermediate

Nachdem ich in eine neue Stadt gezogen war, wollte ich mir etwas suchen, das nicht nur die Abende füllt, sondern sich auch nach Neuanfang anfühlt.

Also habe ich mich für einen Töpferkurs an der VHS angemeldet, weil ich dachte, ein paar selbstgemachte Schüsseln könnten die leere Küche wärmer machen.

Schon am ersten Abend hat der Ton mir allerdings gezeigt, wer hier das Sagen hat: Er kippte, klebte, und mein schön geplanter Becher wurde zu einer traurigen Flunder.

Herr König, der leise sprach und immer nach Ton roch, stellte sich neben mich und meinte, ich solle erst die Mitte finden, bevor ich an Form denke.

Gar nicht so einfach, wenn die Scheibe surrt und die Hände zittern, aber irgendwann habe ich die Atmung an das Brummen angepasst.

In der dritten Woche stand plötzlich ein kleiner, ziemlich schiefer Zylinder vor mir, und statt mich zu ärgern, durfte ich lachen, weil er immerhin stand.

Ab da bin ich früher aus dem Büro verschwunden, habe mir unterwegs eine Brezel geholt und bin mit Ton unter den Nägeln nach Hause gefahren.

Auf dem vierten Kursabend hat es dann Klick gemacht: Die Mitte war da, die Wand zog sich gleichmäßig hoch, und zum ersten Mal fühlte sich Geduld nicht nach Warten an.

Später, beim offenen Atelier am Samstag, habe ich die krumme Schüssel glasiert, die jetzt auf dem Küchentisch steht und jeden Morgen Haferflocken ein bisschen feierlich wirken lässt.

Während ich noch lerne, wie man einen Rand sauber abdreht, merke ich, dass ich nicht nur Ton forme, sondern auch einen Alltag, der mir gehört.

Und wenn etwas misslingt, na gut: Dann klopfe ich den Klumpen wieder zusammen, atme durch und fange von vorn an.

Comprehension Questions

1. Why did the narrator join the pottery course?

2. What key advice did Mr. König give?

3. What marked the turning point in the narrator’s learning?

4. What became of the crooked bowl?

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